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Was nicht in KI-Chatbots gehört

Geprüft am 26. Oktober 2026 · von A.Frick · 5 Min. Lesezeit

Passwörter, Kundendaten, Ausweise und Geheimnisse gehören nicht in einen Chatbot: Ampel-Checkliste, Datenregeln der Anbieter, CH- und EU-Grundlagen, sichere Wege.

Ein Chatbot ist kein privates Notizbuch. Was du einfügst, verlässt dein Gerät, landet auf Servern des Anbieters und kann je nach Plan und Einstellung gespeichert, geprüft oder zum Training genutzt werden. Ein einfacher Test: Würdest du diesen Text einer fremden Person in einer Firma schicken, mit der du keinen Vertrag hast? Wenn nicht, füge ihn nicht ein.

Das ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Die Regeln hängen von Land, Beruf und Vertrag ab.

Rot: nie einfügen Passwörter und Keys, Ausweise, Kunden- und Patientendaten, Personendaten Dritter, Geschäftsgeheimnisse, Verträge unter NDA Gelb: nur mit Vorsicht Arbeits-Mails, interne Notizen, Entwürfe: Namen und Zahlen entfernen, Business-Plan nutzen, Firmenregel beachten Grün: unbedenklich Öffentliche Texte, allgemeine Fragen, erfundene Beispieldaten, eigene Texte ohne Privates
Drei Stufen: Rot bleibt draussen, Gelb braucht Vorsicht, Grün ist in Ordnung.

Die Checkliste

Nicht einfügen Warum Stattdessen
Passwörter, API-Keys, Tokens, Wiederherstellungscodes Wer sie liest oder leakt, nutzt deine Konten und dein Geld Beschreibe das Problem ohne das Geheimnis. Widerrufe jeden Key, den du eingefügt hast.
Pass, ID, Bank- oder Kartennummern Risiko von Identitätsdiebstahl; das meiste musst du nie teilen Nimm einen Platzhalter wie ID-1
Kunden-, Patienten- oder Klientendaten Oft durch Gesetz, Vertrag oder Berufsgeheimnis geschützt Anonymisiere oder nimm ein freigegebenes Werkzeug
Personendaten Dritter (Namen, Adressen, Fotos, Chats) Sie haben nicht zugestimmt. Du kannst verantwortlich sein Ersetze Namen durch Rollen: «Kunde A»
Gesundheit, Religion, Politik, Intimleben, Gewerkschaft Besonders schützenswerte Daten mit strengeren Regeln in CH und EU Lass sie weg oder nimm ein lokales Modell
Geschäftsgeheimnisse, Quellcode, unveröffentlichte Pläne Kopien liegen auf Servern Dritter Kürze ab, oder nimm einen Business-Plan oder ein lokales Modell
Interne Verträge, Personaldossiers, Verwaltungsratspapiere Geheimhaltungspflichten, möglicher NDA-Bruch Fasse mit eigenen Worten ohne Namen zusammen
Fremde Texte mit versteckten Befehlen Eingefügte Seiten können eine Prompt Injection enthalten Lies die Antwort kritisch, handle nie blind

Was Anbieter mit deinen Chats tun

Die Regeln hängen vom Plan ab. Verbraucher-App, Business-Plan und API sind drei verschiedene Fälle. Die Angaben unten stammen von den eigenen Seiten der Anbieter, geprüft am 26. Oktober 2026.

OpenAI. - API: Protokolle zur Missbrauchserkennung bleiben bis zu 30 Tage. OpenAI hält fest, dass an die API gesendete Daten nicht zum Training seiner Modelle dienen, ausser du stimmst zu. Freigegebene Kunden können Zero Data Retention beantragen. - ChatGPT Free, Plus, Pro: Die Datenfreigabe zur Modellverbesserung ist standardmässig an. Schalte Improve the model for everyone unter Data controls aus, um sie zu stoppen. Temporäre Chats dienen nicht dem Training und bleiben bis zu 30 Tage aus Sicherheitsgründen gespeichert. - ChatGPT Business: Laut Hilfeseiten von OpenAI sind Business-Daten standardmässig vom Training ausgenommen.

Anthropic. - Free, Pro, Max: Chats können zur Verbesserung der Modelle dienen, wenn die Einstellung Model Improvement an ist, wenn ein Chat für eine Sicherheitsprüfung markiert wird oder wenn du dich anmeldest. Inkognito-Chats werden nicht genutzt. Bewertungen (Feedback) bleiben bis zu 5 Jahre. Gelöschte Chats verschwinden binnen 30 Tagen aus dem Backend. Erlaubst du Training, können Chats bis zu 5 Jahre in entpersonalisierter Form bleiben. Markierte Chats können bis zu 2 Jahre bleiben. - API und Business-Produkte: Anthropic löscht Ein- und Ausgaben binnen 30 Tagen. Gespeicherte Daten dienen nicht ohne deine Erlaubnis dem Training. Zero Data Retention gibt es nach Vereinbarung.

Google. - Gemini-App: Aktivitäten werden standardmässig nach 18 Monaten gelöscht (du kannst 3 oder 36 Monate oder nie wählen). Bei ausgeschaltetem Keep Activity und in temporären Chats bleiben Chats 72 Stunden gespeichert und dienen nicht dem Training, ausser du sendest Feedback. Ein Teil der Chats wird von Menschen geprüft, und geprüfte Chats können bis zu drei Jahre bleiben, auch wenn du deine Aktivität löschst. - Google Workspace: Google sagt, es trainiere nicht ohne vorherige Erlaubnis mit Kundendaten, und Chats der Gemini-App würden nicht von Menschen geprüft.

Regeln können sich ändern. Lies die aktuelle Seite, bevor du dich auf eine Einstellung verlässt. Die Gemini API für Entwickler hat eigene Bedingungen; lies sie, wenn du darauf baust.

Schweiz: das revDSG

Das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG, auch nDSG; in Kraft seit 1. September 2023) gilt laut EDÖB direkt für den Einsatz von KI. Ein paar Grundsätze:

EU: die DSGVO

Die DSGVO ruht auf den Grundsätzen von Art. 5: Rechtmässigkeit, Verarbeitung nach Treu und Glauben, Transparenz; Zweckbindung; Datenminimierung; Richtigkeit; Speicherbegrenzung; Integrität und Vertraulichkeit. Art. 9 gibt strengere Regeln für besondere Kategorien wie Gesundheit, biometrische und genetische Daten sowie politische oder religiöse Ansichten. Bearbeitet ein Anbieter Personendaten für dich, verlangt Art. 28 einen Vertrag und Auftragsverarbeiter mit hinreichenden Garantien. Für KI-Systeme kommt der EU AI Act dazu.

Sicherere Wege

  1. Anonymisiere. Tausche Namen, Zahlen und Orte gegen Platzhalter. Prüfe das Ergebnis: Auffällige Details können trotzdem auf eine Person zeigen.
  2. Teile weniger. Füge den Absatz ein, der zählt, nicht die ganze Datei.
  3. Nimm die richtige Stufe. Business- oder Enterprise-Pläne und die API bieten Datenverträge, Admin-Kontrollen und standardmässig kein Training.
  4. Geh lokal. Ein lokales Modell, oft ein Open-Weight-Modell, hält den Text auf deinem Gerät. Siehe KI-Modell wählen.
  5. Prüfe die Einstellungen. Schalte das Training aus, wo es geht, nutze temporäre oder Inkognito-Chats für einmalige Fragen und wisse, wie lange das Löschen dauert.
  6. Frag zuerst. Halte dich an die KI-Regel deines Arbeitgebers. Gibt es keine, frag nach.

Achtung: Hast du aus Versehen ein Geheimnis eingefügt, gilt es als offengelegt. Widerrufe den Key, ändere das Passwort und informiere deine Sicherheitsstelle. Den Chat zu löschen reicht nicht.

Tipp: Führe eine kurze Liste von Platzhaltern, die du oft brauchst. So schreibst du sichere Prompts schnell.

Fragen und Antworten

Darf ich eine Arbeits-Mail in einen Chatbot kopieren?

Nur wenn dein Arbeitgeber es erlaubt und das Werkzeug unter einem Business-Plan mit Datenvertrag läuft. Entferne vorher Namen, Zahlen und Details, die du nicht brauchst.

Löscht das Löschen eines Chats meine Daten?

Nicht sofort. Anbieter halten gelöschte oder temporäre Chats eine Zeit lang aus Sicherheitsgründen, etwa bis zu 30 Tage bei OpenAI und Anthropic und 72 Stunden bei Google, wenn die Aktivitätsspeicherung aus ist. Geprüfte Chats können länger bleiben.

Ist alles sicher, wenn ich das Training abschalte?

Nein. Der Anbieter kann den Chat trotzdem eine Weile speichern, und Mitarbeitende können markierte Chats prüfen. Der Opt-out senkt die Nutzung fürs Training; heikle Daten macht er nicht sicher.

Ist das eine Rechtsberatung?

Nein. Diese Seite gibt allgemeine Informationen und keine Rechtsberatung. Bei Kunden-, Patienten- oder Personaldaten frage deine Datenschutzstelle oder eine Anwältin bzw. einen Anwalt.

Weiterlesen

  • API-Key erstellen und Ausgabenlimit setzen

    Key erstellen, aus dem Code heraushalten, Monatsausgaben deckeln und bei Bedarf abschalten, mit Schritten für OpenAI, Anthropic und Google.

  • KI-Modell wählen

    Passe das Modell an die Aufgabe an: klein für Menge, mittel für den Alltag, Spitze oder Reasoning für Schweres und lokal für Privates, mit Entscheidungsbaum und Test.

  • Lokales Modell

    Ein lokales Modell ist ein KI-Modell, das auf deinem eigenen Rechner oder Server läuft statt in der Cloud eines Anbieters, sodass Prompts dein Gerät nicht verlassen müssen.

  • Open-Weight-Modell

    Ein Open-Weight-Modell ist ein KI-Modell, dessen trainierte Gewichte zum Download bereitstehen, sodass du es selbst betreiben und oft anpassen kannst.

  • Prompt Injection

    Prompt Injection ist ein Angriff, bei dem Text, den ein Modell liest, etwa eine Webseite oder Datei, Anweisungen enthält, die es gegen seinen Nutzer handeln lassen.

  • EU AI Act (KI-Verordnung)

    Der EU AI Act (Verordnung 2024/1689) ist das Gesetz der Europäischen Union, das KI-Systeme nach Risikostufe regelt; die Pflichten gelten in Etappen.

  • API-Key

    Ein API-Key ist ein geheimer Code, mit dem ein Programm einen KI-Dienst auf deinem Konto aufruft; die Nutzung wird dir verrechnet.

Quellen

  1. OpenAI — Your data (API: Aufbewahrung, Training)
  2. OpenAI Help — Data controls in ChatGPT
  3. OpenAI Help — Managing data, sharing, and privacy in ChatGPT Business
  4. Anthropic Privacy Center — Is my data used for model training?
  5. Anthropic Privacy Center — How long do you store my data?
  6. Anthropic Privacy Center — How long do you store my organization's data?
  7. Anthropic — API and data retention
  8. Google — Gemini Apps Privacy Hub
  9. Google — Generative AI in Google Workspace Privacy Hub
  10. EDÖB — Geltendes Datenschutzgesetz ist auf KI direkt anwendbar
  11. EDÖB — KI und Datenschutz
  12. Fedlex — Datenschutzgesetz (DSG, SR 235.1)
  13. EUR-Lex — Datenschutz-Grundverordnung (EU) 2016/679

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